Kapitel 5 · Pflicht ab 20.11.2026

Kauf auf Rechnung und Ratenkauf: was sich am 20. November ändert

Ab dem 20. November 2026 gilt in Deutschland neues Verbraucherkreditrecht. „Später bezahlen“ und Ratenkauf über Zahlungsdienste wie Klarna oder PayPal zählen dann als Kredit, auch ohne Zinsen und auch bei kleinen Beträgen. Die meisten Kreditpflichten trägt der Zahlungsdienst. Bei dir bleiben drei Dinge: deine Werbung, dein eigener Kauf auf Rechnung und ein sauber eingebundener Checkout.

Zuletzt geprüft: · Sachstand zum Nachschlagen, keine Rechtsberatung.

Das Wichtigste

Ab wann
20. November 2026.
Was neu ist
Zahlungsaufschub und Ratenkauf sind auch ohne Zinsen, ohne Gebühr und unter 200 € ein Verbraucherkredit.
Wer die Kreditpflichten trägt
Der Zahlungsdienst, der den Kredit gibt: Bonitätsprüfung, Kreditinformationen, Widerrufsrecht.
Was bei dir liegt
Deine Werbung. Wer für „später bezahlen“ oder Raten wirbt, braucht den Hinweis „Achtung! Kreditaufnahme kostet Geld“.
Eigener Rechnungskauf
Bleibt frei, wenn du selbst stundest, nichts dafür verlangst und höchstens 50 Tage Zahlungsziel gibst. Große Onlinehändler: höchstens 14 Tage.
Verboten
Ein Kreditvertrag über ein vorab angekreuztes Kästchen. Werbung, die Kredit als Weg zu mehr Geld darstellt.

Was sich ändert

Bisher galt das Kreditrecht nur für Zahlungsaufschübe, die etwas kosten. Kredite unter 200 € und Kredite, die binnen drei Monaten mit geringen Kosten zurückgezahlt werden, waren ganz ausgenommen. Davon lebten viele „Später bezahlen“-Angebote: 30 Tage Zahlungsziel, keine Zinsen, keine Gebühr.

Ab dem 20. November 2026 fällt das weg. Das Gesetz spricht nicht mehr vom „entgeltlichen“ Zahlungsaufschub, sondern von jedem Zahlungsaufschub, den ein Unternehmer einem Verbraucher gewährt. Die 200-Euro-Grenze und die Drei-Monats-Ausnahme sind gestrichen.

Damit sind Rechnungskauf über einen Zahlungsdienst, „in 30 Tagen bezahlen“, Ratenkauf in drei oder vier Raten und die klassische Finanzierung alle Verbraucherkredit, mit oder ohne Zinsen.

Grundlage ist die EU-Verbraucherkreditrichtlinie (EU) 2023/2225. Deutschland hat sie mit dem Gesetz vom 12. Mai 2026 umgesetzt, verkündet im Bundesgesetzblatt 2026 I Nr. 139. Der Teil zum Kreditrecht tritt am 20. November 2026 in Kraft.

Dein eigener Kauf auf Rechnung

Verkaufst du selbst auf Rechnung, ohne Zahlungsdienst dazwischen, ist das auch künftig kein Kredit, solange alle vier Bedingungen erfüllt sind.

Strenger ist es für große Onlinehändler, also alle, die kein kleines oder mittleres Unternehmen nach der EU-Definition sind. Für sie gilt die Ausnahme nur bei höchstens 14 Tagen Zahlungsziel, und nur wenn auch kein Dritter die Forderung kauft.

Nimmst du eine Gebühr für den Kauf auf Rechnung oder gibst du ein längeres Ziel, bist du selbst Kreditgeber. Dann treffen dich die Kreditpflichten direkt, von der Bonitätsprüfung bis zu den Kreditinformationen vor Vertragsschluss.

  • Du selbst gibst das Zahlungsziel. Kein Dritter gibt dem Kunden einen Kredit oder Zahlungsaufschub.
  • Der Kunde zahlt nichts extra dafür: keine Zinsen, keine Rechnungsgebühr.
  • Er muss spätestens 50 Tage nach der Lieferung vollständig bezahlt haben.
  • Bei Zahlungsverzug entstehen ihm nur begrenzte Kosten.

Offen oder umstritten

  • Was „begrenzte Kosten“ bei Zahlungsverzug genau sind, sagt das Gesetz nicht in Euro. Übliche Mahnkosten dürften darunter fallen; eine Zahl gibt es nicht.
  • Factoring bei kleinen und mittleren Shops: Das Gesetz verlangt dort nur, dass kein Dritter dem Kunden den Kredit gewährt. Dass ein Dritter die Forderung kauft, schließt es ausdrücklich nur bei großen Onlinehändlern aus. Frag deinen Factoring-Anbieter, wie er sein Produkt einordnet.

Klarna, PayPal und Co.: wer was trägt

Stundet ein Zahlungsdienst deinem Kunden den Kaufpreis oder gibt er Raten, ist er der Kreditgeber. Er prüft die Kreditwürdigkeit, gibt die vorgeschriebenen Kreditinformationen und räumt das Widerrufsrecht für den Kredit ein.

Du verkaufst Waren und bietest die Zahlart nebenbei an. Damit bist du höchstens Vermittler „in untergeordneter Funktion“. Die Kreditinformationen vor Vertragsschluss musst du dann nicht selbst geben. Der Zahlungsdienst muss dafür sorgen, dass dein Kunde sie bekommt.

Eine Erlaubnis als Darlehensvermittler nach dem neuen § 34k Gewerbeordnung brauchen kleine und mittlere Händler nicht, wenn sie nur ihre eigenen Verkäufe finanzieren lassen. Große Händler, die Finanzierungen für ihre Verkäufe vermitteln, müssen die Erlaubnis bis zum 31. Mai 2027 beantragen.

Was im Bezahlfenster des Zahlungsdienstes steht, verantwortet er. Frag bei deinem Anbieter nach, ob du bis zum 20. November etwas an deinem Shop aktualisieren musst.

Offen oder umstritten

  • Ob ein großer Shop mit eingebundenem Zahlungsdienst überhaupt als Vermittler zählt, hängt unter anderem daran, ob er dafür eine Vergütung oder einen anderen Vorteil bekommt. Wenn du kein kleines oder mittleres Unternehmen bist, lass das anhand deines Vertrags prüfen.
  • Wie jeder Anbieter sein Produkt ab dem 20. November im Einzelnen umbaut, steht nicht im Gesetz. Das erfährst du nur von deinem Anbieter.

Werbung: der Warnhinweis

Wirbst du für ein Kreditprodukt, gehört ein klarer, auffallender Warnhinweis dazu: „Achtung! Kreditaufnahme kostet Geld“ oder eine gleichwertige Formulierung. Das steht im Anhang des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb, der Liste von Handlungen, die immer unzulässig sind. Weil auch zinsfreies „später bezahlen“ jetzt ein Kreditprodukt ist, gilt das auch dafür.

Nennst du Zahlen zu den Kosten, etwa „0 % Zinsen“ oder „3 Raten à 33 €“, verlangt die Preisangabenverordnung außerdem Pflichtangaben mit einem Beispiel: Nettodarlehensbetrag, Sollzinssatz und effektiven Jahreszins, soweit zutreffend auch Laufzeit, Gesamtbetrag, Ratenhöhe, Barzahlungspreis und Anzahlung.

Ebenfalls immer verboten ist Werbung, die

  • so tut, als würde ein Kredit die finanzielle Lage des Kunden verbessern,
  • behauptet, laufende Kredite oder Einträge in Datenbanken spielten für den Kreditantrag kaum eine Rolle,
  • fälschlich nahelegt, ein Kredit bringe mehr Geld, ersetze Ersparnisse oder hebe den Lebensstandard.

Offen oder umstritten

  • Ob schon das Logo einer Zahlart in der Liste der Zahlarten im Checkout Werbung für einen Kredit ist, ist nicht entschieden. Bei Bannern, Produktseiten mit „jetzt kaufen, später bezahlen“ und Posts auf Instagram oder TikTok spricht viel dafür. Dort gehört der Warnhinweis hin.

Was du bis zum 20. November tust

  1. Zahlarten auflisten

    Welche Angebote für Rechnungskauf, „später bezahlen“ und Raten laufen in deinem Shop, und über welchen Anbieter?

  2. Eigenen Rechnungskauf prüfen

    Höchstens 50 Tage Zahlungsziel, bei großen Onlinehändlern 14. Keine Gebühr. Kein Dritter, der dem Kunden den Kredit gibt. Passt etwas nicht, ändere es.

  3. Werbung durchgehen

    Banner, Produktseiten, Newsletter und Posts, die „später bezahlen“ oder Raten erwähnen: Warnhinweis dazu, keine Versprechen über mehr Geld, bei Kostenangaben die Pflichtangaben mit Beispiel.

  4. Checkout testen

    Der Kredit darf nicht über ein vorab angekreuztes Kästchen zustande kommen. Prüf nach jedem Update, ob die Erweiterung deines Zahlungsdienstes aktuell ist.

  5. Beim Anbieter nachfragen

    Was ändert er zum 20. November, und was erwartet er von dir? Lass es dir schriftlich geben.

Quellen

Fragen zu diesem Kapitel

Muss ich Klarna oder PayPal „Später bezahlen“ abschalten?

Nein. Die Zahlarten bleiben erlaubt. Neu ist, dass der Zahlungsdienst sie als Kredit behandeln muss, mit Bonitätsprüfung und Kreditinformationen. Bei dir ändert sich vor allem die Werbung.

Ist mein eigener Kauf auf Rechnung jetzt ein Kredit?

Nicht, wenn du selbst stundest, nichts extra verlangst, höchstens 50 Tage Zahlungsziel gibst und bei Verzug nur begrenzte Kosten anfallen. Große Onlinehändler: höchstens 14 Tage, und kein Dritter darf die Forderung kaufen.

Darf ich eine Gebühr für den Kauf auf Rechnung nehmen?

Dann ist der Zahlungsaufschub nicht mehr kostenlos, und die Ausnahme fällt weg. Du wärst selbst Kreditgeber, mit allen Pflichten. Rechne vorher, ob sich die Gebühr dafür lohnt.

Gilt das auch bei kleinen Beträgen?

Ja. Die Grenze von 200 € ist gestrichen. Auch ein Einkauf über 25 €, den ein Zahlungsdienst auf „in 30 Tagen bezahlen“ stundet, ist ein Kredit.

Brauche ich den Warnhinweis auch auf Instagram und TikTok?

Wenn der Post für „später bezahlen“ oder Ratenkauf wirbt, ja. Die Regel gilt für Werbung überhaupt, nicht nur im Shop.

Ich bin ein großer Händler. Was kommt dazu?

Dein eigener Rechnungskauf bleibt nur bei höchstens 14 Tagen Zahlungsziel frei, und nur wenn kein Dritter die Forderung kauft. Vermittelst du Finanzierungen für deine Verkäufe, brauchst du eine Erlaubnis als Darlehensvermittler; den Antrag stellst du bis 31. Mai 2027.

Ist das hier Rechtsberatung?

Nein. Es ist der Sachstand mit Quellen und Datum. Für deinen Einzelfall frag eine Anwältin, einen Anwalt oder deinen Händlerverband.

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