Gerade geht eine Masche um: Leute laufen durch Restaurants, Friseursalons und Praxen und verkaufen „Google-Bewertungskarten“. Eine Karte auf den Tisch, Gast hält das Handy dran, die Bewertungsseite geht auf. Dafür werden 50 Euro und mehr verlangt, pro Karte. Dahinter steckt ein NFC-Sticker für ein paar Euro und ein Link, den dir Google kostenlos gibt. Hier ist der komplette Weg, wie du dir das selbst baust, in zehn Minuten, und wie du es besser machst als die Karte vom Klinkenputzer.
Was wirklich drinsteckt
Drei Teile, mehr nicht:
1. Ein NFC-Chip. Der sitzt in einem Sticker oder einer Plastikkarte und speichert einen kurzen Text, hier eine Webadresse. Die gängigen Chips heißen NTAG213, NTAG215 und NTAG216, sie unterscheiden sich nur im Speicherplatz. Für einen Link reicht der kleinste.
2. Dein Bewertungslink. Den bekommst du in deinem Google-Unternehmensprofil unter „Rezensionen erhalten“. Google zeigt dir dort eine kurze Adresse, die direkt das Bewertungsfenster öffnet.
3. Ein Handy mit einer App, die den Link auf den Chip schreibt. Einmal, dann nie wieder.
Das Handy deines Gastes braucht keine App. Neuere iPhones und die meisten Android-Handys lesen NFC von selbst: Handy ans Schild halten, oben erscheint die Adresse, antippen, fertig.

Schritt 1: Den Bewertungslink holen
Öffne dein Google-Unternehmensprofil, so wie du es auch für Öffnungszeiten pflegst. Dort gibt es den Punkt „Rezensionen erhalten“ oder „Nach Rezensionen fragen“. Google zeigt dir einen Link. Kopier ihn in die Notizen deines Handys. Prüf ihn einmal im Browser: Es muss direkt das Fenster mit den fünf Sternen aufgehen, nicht nur dein Profil.
Schritt 2: Den Chip beschreiben
Lade die App „NFC Tools“, gibt es für iPhone und Android, kostenlos. Dann:
1. Auf „Schreiben“ tippen.
2. „Datensatz hinzufügen“, dann „URL/URI“ wählen.
3. Den Bewertungslink einfügen.
4. Auf „Schreiben“ tippen und den Sticker an die Rückseite des Handys halten, bis die App bestätigt.
Wenn du willst, dass niemand den Link später überschreibt, gibt es in der App unter „Weitere“ den Punkt „Schreibschutz“. Das ist endgültig, also erst testen, dann sperren.
Schritt 3: Testen
Halte ein anderes Handy an den Sticker, ohne App. Es muss von allein die Bewertungsseite anbieten. Teste mit einem iPhone und einem Android-Gerät, dann weißt du, dass es bei deinen Gästen auch geht.
Schritt 4: Anbringen, und zwar dort, wo der gute Moment ist
Das ist der Teil, den die Verkäufer weglassen, und der Teil, der zählt. Eine Karte am Tresen sieht niemand. Die Bewertung kommt, wenn der Gast gerade zufrieden ist:
- Restaurant: in der Rechnungsmappe, oder ein kleiner Aufsteller, der mit dem Kaffee kommt.
- Friseur: ein Sticker unten am Spiegel, genau dort, wo der Kunde das Ergebnis anschaut.
- Praxis: an der Rezeption beim Verabschieden, nicht im Wartezimmer. Wer wartet, ist nicht in Stimmung für Sterne.
- Handwerker: der Chip in der Visitenkarte, die nach der Abnahme auf dem Tisch bleibt.
- Laden: an der Kasse, auf Höhe der Hand, oder als Karte in der Tüte.

Ein Sticker unter der Tischplatte funktioniert übrigens auch. NFC geht durch Holz und Kunststoff, nur nicht durch Metall.
Besser als die gekaufte Karte
Wer schon einmal dabei ist, kann in derselben Stunde ein paar Dinge tun, die die Karte vom Verkäufer nie kann:

Ein Halter, der zu deinem Laden passt. Ein kleiner Aufsteller aus dem 3D-Drucker kostet Cent im Material und trägt deine Form. Wer keinen Drucker hat, findet in jeder Stadt einen Makerspace oder bestellt den Druck online. So sieht das aus, wenn man es ernst nimmt: Für Shawarmery habe ich den NFC-Leser gleich als eigenes Gerät gebaut, Gehäuse aus dem Drucker, lackiert, an der Wand.
Eine bedruckte Karte mit deinem Logo. Blanko-NFC-Karten lassen sich bedrucken wie Visitenkarten. Der Chip sitzt innen, außen ist sie deine Karte. Das ist der Moment, wo aus einem Sticker ein Stück Marke wird.
Ein QR-Code als Ersatz. Nicht jedes Handy liest NFC, und nicht jeder Gast weiß, dass seines es kann. Ein kleiner QR-Code neben dem Chip fängt die auf. Beides zeigt auf denselben Link.
Eine kurze Adresse, die du zählen kannst. Statt des langen Google-Links legst du eine eigene kurze Adresse an, etwa deinladen.de/bewerten, die auf den Google-Link weiterleitet. Dann siehst du, wie oft die Karte benutzt wird, und kannst das Ziel später ändern, ohne einen Chip neu zu schreiben.

Mehr als eine Sache. Ein zweiter Chip mit der Speisekarte, dem WLAN-Zugang oder der Terminbuchung kostet dasselbe. Wer einmal verstanden hat, dass ein Chip nur ein Link ist, sieht überall Stellen dafür.
Was du wissen musst, bevor du Sterne sammelst
Google verbietet es, für Bewertungen etwas zu versprechen: kein Rabatt, kein Gratis-Kaffee für fünf Sterne. Und Google verbietet auch, nur zufriedene Gäste zur Karte zu führen und unzufriedene woandershin. Die Karte darf einladen, nicht filtern. Wer sich daran hält, hat nichts zu befürchten. Wer die Masche mit dem Filtern kauft, riskiert, dass Google die Bewertungen löscht.
Die Einkaufsliste
- NFC-Sticker, NTAG213 oder NTAG215Werbelink, ein Zehnerpack reicht für alle Tische.
- Blanko-NFC-KartenWerbelink, wenn du sie bedrucken willst.
- Die App NFC Tools, kostenlos.
- Optional: ein Halter aus dem 3D-Drucker oder eine Druckerei für die Karten.
Alles zusammen liegt weit unter dem, was für eine einzelne gekaufte Karte verlangt wird, und du hast am Ende zehn davon, in deiner Form.
Wenn du es gestaltet haben willst
Karte, Halter, Aufsteller, alles im Look deines Ladens, mit Logo, bedruckt und fertig aufgestellt: Das ist eine kleine Sache, die ich gern mache. Projekt anfragen, fünf Fragen, und du bekommst ein Angebot.





